04. April 2026

Behinderungs-forschung nicht hindern: Wiederaufnahme der Disability Studies an der Universität zu Köln

Antrag von Alexander Preißler; beschlossen auf der KMV am 23.03.2026

Am 03.12.2025 hat die Humanwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln 
bekanntgegeben, dass die “internationale Forschungsstelle Disability Studies” 
(iDiS) und die “Professur für Soziologie und Politik der Rehabilitation, 
Disability Studies” im Zuge weitreichender Streichungen aufgelöst werden sollen.

Um die Schließung zu verstehen ist wichtig: Bildung ist grundsätzlich 
Ländersache. Dabei besteht etwa 80% der Finanzierung von Hochschulen aus der 
Grundfinanzierung des jeweiligen Bundeslandes. Damit verwalten sich die 
Universitäten größtenteils selbst. Sie kümmern sich um die Berufung und 
Bezahlung von Professor*innen, den Gehältern des Personals und die Infrastruktur 
für Forschung und Lehre.

Die Landesregierung NRW plant Kürzungen von 158 Millionen Euro pro Jahr im 
Hochschulbereich: Bei der jährlichen Grundfinanzierung, die den Hochschulen für 
die Bezahlung des Personals und die Infrastruktur zustehen, sollen 120 Millionen 
Euro wegfallen. Dazu kommt eine einmalige Abgabe von 240 Millionen Euro aus den 
Rücklagen der Hochschulen. Fixkosten, wie Miete und Energie, kann schwer gekürzt 
werden. Deshalb wird bei Personal und Lehrangebot gespart und 7-8% der Stellen 
gestrichen. Das führt nicht nur zu weniger Vorlesungen, Unterstützungsangeboten 
und höheren Studiengebüren, sondern auch zur Streichung von kleineren 
Studiengängen. Vielfalt im Studienangebot wird abgebaut.

In Köln sollen 10 Millionen Euro pro Jahr einspart werden. 60 % davon bei 
Fakultäten, 40 % bei zentralen Diensten und Verwaltung. Leider wurde damit auch 
die Streichung der “iDiS” beschlossen.

Diese Streichung kommt nach Ankündigungen, laut denen das “Zentrum für 
Disability Studies und Teilhabeforschung” (ZeDiSPlus) in Hamburg aufgelöst 
werden soll. Damit bleibt in Deutschland nur noch die Forschungseinrichtung für 
Disability Studies in Bochum bestehen. 2/3-tel der Forschungskapazität fällt 
weg!

Was sind Disability Studies?

Disability Studies sind ein transdisziplinäres, international ausgerichtetes und 
höchst innovatives Forschungsfeld, das traditionelle Sichtweisen auf Behinderung 
hinterfragt und neue Denkweisen anregt: Im Mittelpunkt steht die Analyse von 
Behinderung als soziales Phänomen. Ihr Ansatz ist damit gesellschaftskritisch 
und grundlagentheoretisch angelegt – Behinderung wird nicht als individuelles 
Defizit verstanden, sondern die gesellschaftlichen Barrieren werden ebenso in 
den Blick genommen wie die Normierungs- und Normalisierungsprozesse sozialer 
Ungleichbehandlung.

Seit den frühen 2000er-Jahren sind die aus den internationalen 
Behindertenbewegungen hervorgegangenen Disability Studies auch im 
deutschsprachigen Raum an verschiedenen Hochschulen und Universitäten vertreten. 
Es gibt Forschungsaktivitäten und Lehrangebote, aber es gibt noch keine 
eigenständigen Studiengänge.

Disability Studies verstehen sich als Querschnittsdisziplin; sie entwickeln 
neues Wissen, Theorien und Methoden, die weit über den traditionellen 
Behinderungsdiskurs hinausgehen und den Grundsatz „Nichts über uns ohne uns“ 
praktisch umsetzen. Zentral ist die gleichberechtigte Partizipation von Menschen 
mit Behinderungen.

Warum Disability Studies unverzichtbar sind.

Dieses Forschungsfeld zu erhalten und auszubauen, muss für uns als GRÜNE JUGEND 
Priorität haben. Wir sind als solidarischer und inklusiver Verband darauf 
angewiesen, dass Grundlagenforschung zu Inklusion, Partizipation und weiteren 
Teilen des Behindertendiskurses stattfindet, damit wir unsere Prozesse, unser 
Zusammenleben im Verband und unsere politischen Forderungen verbessern und 
schärfen können. Außerdem ist Disability Studies ist einer der wenigen 
Forschungsbereiche in Deutschland, in dem behinderte und nichtbehinderte 
Menschen zusammen am Abbau von Barrieren und der Verbesserung von Inklusion 
forschen und arbeiten.

Wie oben beschrieben, wird Behinderung in den Disability Studies als ein 
gesellschaftliches Problem betrachtet; von einer Gesellschaft, die unnötige 
Barrieren aufgebaut hat und so bestimmte Menschen in ihrer gesellschaftlichen 
Teilhabe einschränkt, anstatt Behinderung ausschließlich zu individualisieren, 
wie es sonst oft passiert.

Daraus entwickelt sich für uns als intersektionaler und antikapitalistischer 
Verband eine besondere Relevanz des Forschungsfeldes.

Zusätzlich ist Deutschland als Unterzeichner der UN-BRK (UN-
Behindertenrechtskonvention) dazu verpflichtet, die Förderung einer inklusiven, 
barrierefreien Gesellschaft voranzutreiben. Der Abbau der Disability Studies 
widerspricht diesem Auftrag diametral. Deutschland verliert bei der Umsetzung 
der UN-BRK auf mehreren Ebenen den Anschluss an andere Länder. Ob es in der 
schulischen Bildung, im öffentlichen Raum oder in der Politik ist. In anderen 
Ländern, wie den USA, Großbritannien, den Niederlanden und mehreren 
skandinavischen Ländern wird aktiv in den Disability Studies geforscht.

Disability Studies sind essentiell, um das Zusammenleben in Deutschland 
solidarischer, fairer und barrierefrei zu gestalten. Deutschland darf nicht den 
Anschluss verlieren.

Forderungen

Deshalb stellen sich für die Grüne Jugend Köln folgende Forderungen heraus, 
welche sich sowohl an das Rektorat der Universität zu Köln als auch an die 
Landesregierung NRWs, respektive das Ministerium für Kultur und Wissenschaft 
NRW.

Wir fordern die schnellstmögliche Finanzierung und Wiederaufnahme des 
Arbeitsbereichs „Disability Studies“, samt Professur für Soziologie und Politik 
der Rehabilitation, Disability Studies und der Internationalen Forschungsstelle 
Disability Studies (kurz iDiS).

Zur möglichst reibungslosen Fortsetzung der Forschung soll kurzfristig die 
Weiterbeschäftigung der Forschenden und Mitarbeitenden angestrebt und außerdem 
ein eigener Studiengang als Ziel gesetzt werden.

Deutschland kommt seit Jahren schon so nicht seinen Verpflichtungen der UN-BRK 
nach, weshalb wir eine besondere Beachtung seltener Studiengänge und 
Forschungsbereiche bei drohenden Kürzungsmaßnahmen fordern, die an strukturellen 
und gesellschaftlichen Wegen zu mehr Inklusion und Teilhabe forschen.

Daher sollte die GRÜNE JUGEND Köln verstärkt in den Austausch mit studentischen 
Organisationen und Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung treten.

Mit dem Beschluss dieses Antrags spricht sich die GRÜNE JUGEND Köln für die 
Petition des “Disability Studies Deutschland e.V.” aus und unterstützt den 
offenen Brief des “Netzwerk Disability Studies” mit ihren Forderungen.

Außerdem setzt sich die GRÜNE JUGEND Köln für die Umsetzung der Forderungen 
gegenüber der Partei und der GRÜNEN JUGEND NRW ein, dazu gehört auch ein 
Einsetzen für allgemein stärkere Anstrengungen in Sachen Inklusion in ganz 
Deutschland.

Begründung

Während Deutschland seinen Verpflichtungen nach der UN-Behindertenrechtskonvention seit Jahren nicht nachkommt und Rechte sowie Konservative Hetze und Zweifel gegenüber Inklusion säen, wird nun die Forschung unter den Bus geworfen. Im Zuge der Hochschulkürzungen Ende letzten Jahres wurden mit Hamburg und Köln zwei der drei deutschen Forschungsstandorte in Sachen Disabilty Studies gekürzt.

Wir stellen uns hinter die Forderungen des „Disability Studies e.V.“ und fordern u.a. die unverzügliche Wiederaufnahme und sichere Finanzierung der Forschungsbereiche an besagten Standorte, sowie eine höhere Anerkennung ihrer Forschung.