04. April 2026

Positionierung zur Debatte zu Alterskontrollen für Social Media

Antrag von Ida Holschbach, Hanna Hogen und Maximilian Vogel; beschlossen auf der KMV am 23.03.2026

Die Grüne Jugend Köln spricht sich gegen ein pauschales Social-Media-Verbot für 
Kinder und Jugendliche aus. Ebenso lehnen wir Identitätsnachweise als 
Altersnachweis ab.

Soziale Medien haben einen großen Einfluss auf das Leben von jungen Menschen und 
die gesamte Gesellschaft. Mit ihnen gehen allerdings viele Probleme einher.

Kinder und Jugendliche sind besonders vor den Gefahren, die mit der Nutzung von 
Social Media verbunden sind, zu schützen. Allerdings ist eine Altergrenze kein 
angemessener Weg, diese zu beheben.

Die Nutzung von Sozialen Medien ist unabhängig des Alters der Nutzer*innen mit 
verschiedenen Sorgen belegt:

Das Design vieler Apps begünstigt ein ungesundes Medienverhalten. Gewisse 
Inhalte können einen negativen Einfluss auf die physische und mentale Gesundheit 
von der Nutzer*innen haben. Inbesondere Kinder und Jugendliche sind häufig nicht 
altersgerechten Inhalten ausgesetzt, etwa Gewalt oder sexuellen Inhalten. 
Zusätzlich zu nennen sind auch die Gefahren von Cybergrooming, Cybermobbing und 
Hass im Netz. Zu beobachten ist außerdem eine Zunahme von Falschinformationen, 
die auf Kinder bereits früh einwirken können.

Für alle diese Probleme müssen wir Antworten finden. Diese müssen allerdings 
passgenau sein, und die Rechte und Interessen junger Menschen berücksichtigen.

Kinder haben gemäß Artikel 17 der UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf 
Teilhabe an Medien. Ein generelles Verbot verstößt gegen dieses Recht, 
insbesondere, wenn diese Entscheidung ohne Einbeziehung der Betroffenen 
getroffen wird. Wie in vielen Dingen wurde auch zum Thema Social Media-Verbot 
zwar über, aber nicht mit jungen Menschen gesprochen. Eine Teilhabe von Kindern 
und Jugendlichen an Entscheidungen ist in einer Demokratie unerlässlich.

Soziale Medien sind trotz der negativen Schlagzeilen ein zentraler Bestandteil 
im Alltag von Jugendlichen. Sie sind Ort des Austauschs und der Gemeinsamkeit, 
der Bildung und Selbstentfaltung. Viele Jugendliche nutzen z.B. Instagram oder 
Discord, um Freundschaften trotz örtlicher Distanz zu knüpfen und 
aufrechtzuerhalten. Sie teilen Memes und leben ihre Kreativität mit der 
Erstellung eigener Inhalte aus.

Unter anderem für queere, migrantisierte oder anderweitig diskriminerte 
Jugendliche können soziale Medien ein Ort sein, um die eigene Identität zu 
entdecken, Gleichgesinnte zu finden und sich gegenseitig zu bestärken. Soziale 
Medien geben Stimmen, die sonst nicht gehört werden, einen Raum.Der Diskurs wird 
vielfältiger und viele politische Bewegungen nehmen ihren Ursprung in den 
sozialen Medien.

Mit Alterskontrollen auf Social Media können zudem Gefahren für Kinder und 
Jugendliche einher:

Ein Social-Media-Verbot setzt eine zuverlässige Altersverifikation voraus, und 
das für alle. Das bringt immer das Risiko eines Verlust von Anonymität im 
Internet mit. Anonymität im Internet ist ein schützenswertes Gut und der Schutz 
von Kindern darf nicht als vorgeschobener Grund für Überwachung dienen.

Zudem ist eine Umsetzung der Altersverifikation kaum mit dem Datenschutz 
vereinbar. Ausweise und insbesondere biometrische Daten sind besonders 
schützenwert. In vergleichenbaren Anwendungsfällen kam es bereits zu 
Sicherheitslücken: Discord, eine Chatplattform, musste eine geplante 
Alterskontrolle verschieben, weil eklatante Sicherheitslücken und ein grob 
fahrlässiger Umgang mit den persönlichen Daten der Nutzer*innen durch den 
beauftragten Dienstleisters bekannt wurden.

Für Altersnachweise können auch algorithmische Prozesse eingesetzt werden, die 
anhand von Gesichtserkennung das Alter der Nutzer*innen bestimmen soll. Diese 
KI-gestützten Prozesse können diskriminierend sein: Unter anderem funktioniert 
gesichtserkennungsgestützte Alterserkennung bei schwarzen Menschen schlechter 
als bei weißen. Auch eine Altersverifikation basierend auf einer Analyse des 
Nutzungsverhaltens ist invasiv und kann bei falschen Ergebnisse benachteiligen. 
Eine Umsetzung wäre zudem kaum barrierefrei umsetzbar, sodass nicht nur Kinder 
und Jugendliche ausgeschlossen, sondern auch Senior*innen und Menschen, die 
aufgrund Behinderungen eingeschränkt sind.

Es ist zu erwarten, dass bei Einführung eines Social-Media-Verbots junge 
Menschen innerhalb kürzester Zeit Wege finden das Verbot zu umgehen. Ob mit 
gefälschten Nachweisen oder dem Account der Eltern, ein Verbot ist realistisch 
nicht durchzusetzen.

Ein Social-Media-Verbot kann bestehende Probleme ins Geheime verschieben. 
Jugendliche und Kinder, die verbotenerweise soziale Medien nutzen, werden höhere 
Hemmungen haben, ihren Eltern und Freunden von nicht altersgerechten Inhalten 
und unangebrachtem Verhalten zu erzählen. Es besteht die Gefahr, dass Straftaten 
durch Dritte nicht von jungen Nutzer*innen aufgrund ihres zu jungen Alters nicht 
zur Anzeige gebracht werden. Statt offen problematische Inhalte zu besprechen, 
werden diese verschwiegen.

Das Problem der Abhängigkeit von sozialen Medien besteht nicht nur bei Kindern 
und Jugendlichen sondern auch bei Erwachsenen. Eine pauschale Altersgrenze würde 
Betroffenen über 18 Jahren nicht helfen und gleichzeitig suggerieren, das 
Problem wäre gelöst.

Gleichzeitig bedeutet es eine Verschiebung des Beginns einer potenziellen 
Abhängigkeit und der Konfrontation mit gefährlichen Inhalten vom Kindes- ins 
Jugendalter. Stattdessen sind Medienbildung, Hilfsangebote und ein 
verantwortungsvollen Umgang mit Social Media in den Vordergrund zu rücken.

Die eigentlichen Verursacher des Problems, die Anbieter und Betreiber der 
Social-Media-Apps selbst, müssen in Verantwortung genommen werden: Existierende 
rechtliche Möglichkeiten wie der europäische Digital Services Act (DSA) und die 
Jugendschutzrichtlinien der Europäischen Kommission werden bislang nicht 
konsequent durchgesetzt. Bereits jetzt sind Unternehmen verpflichtet, ihre 
insbesondere minderjährigen Nutzer*innen zu schützen. Vernachlässigen sie 
nachweislich diese Pflicht, sind sie in die Verantwortung zu nehmen. Statt 
nationalen Alleingängen ist dabei auf die Markt- und Regelungsmacht der 
Europäischen Union zu setzen.

Statt Alterskontrollen wollen wir den aktuellen Diskurs nutzen, um soziale 
Medien und die Erfahrung im Internet für alle Menschen zu verbessern.